Wenn der Vulkan atmet- Fumarolen und Mofetten auf Ischia
Fumarolen und Mofetten auf Ischia – Wenn der Vulkan noch immer atmet
Der letzte Vulkanausbruch auf Ischia liegt bereits mehrere Jahrhunderte zurück. Aber der Vulkanismus der Insel ist keineswegs ausgestorben. Im Gegenteil - die Vulkanaktivität ist ein Wahrzeichen Ischias. Besonders die heißen Thermalquellen ziehen jedes Jahr viele Badetouristen an. Aber die Magmakammer macht sich auch durch weitere Naturphänomene bemerkbar: Fumarolen und Mofetten.
An vielen Stellen der Insel steigen heiße Dämpfe und vulkanische Gase aus dem Boden auf (Abb.1). Sie erinnern durchgehend daran, dass sich tief unter Ischia noch immer große Mengen an Wärme und vulkanischen Gasen befinden.

Die vulkanische Kraft unter Ischia
Die Entstehung von Fumarolen und Mofetten hängt eng mit dem vulkanischen Ursprung der Insel zusammen. Unter Ischia befindet sich in etwa 2 Kilometern Tiefe ein aktives hydrothermales System, das von einem heißen Magmakörper gespeist wird.
Regenwasser versickert durch Risse und Spalten im vulkanischen Gestein und gelangt tief in den Untergrund. Dort wird es durch die Hitze des Magmas erwärmt und steigt anschließend zusammen mit vulkanischen Gasen wieder zur Erdoberfläche auf. Entlang von Bruchzonen entstehen dadurch Thermalquellen, Fumarolen und Mofetten.
Diese Prozesse laufen auf Ischia seit Jahrtausenden ab und prägen bis heute die Landschaft der Insel.
Was sind Fumarolen?
Fumarolen sind Austrittsstellen heißer vulkanischer Gase. Sie können sowohl während aktiver Vulkanphasen als auch noch lange nach einem Vulkanausbruch auftreten.
Die austretenden Gase bestehen überwiegend aus Wasserdampf. Daneben enthalten sie Kohlendioxid, Schwefelverbindungen und weitere vulkanische Gase. Je nach Temperatur und chemischer Zusammensetzung können die Gase das umliegende Gestein verändern und sogar neue Mineralien entstehen lassen.
Besonders auffällig sind dabei gelbliche Schwefelablagerungen, die sich manchmal rund um die Austrittsstellen bilden (Abb.2). Sie entstehen, wenn schwefelhaltige Gase an der Oberfläche abkühlen und auskristallisieren.
Die Temperaturen von Fumarolen können sehr unterschiedlich sein. Während einige Austrittsstellen nur wenige Dutzend Grad Celsius erreichen, können andere mehrere hundert Grad heiß werden.
Mofetten – die kühlen Verwandten der Fumarolen
Neben den heißen Fumarolen gibt es auf Ischia auch zahlreiche Mofetten. Dabei handelt es sich um vergleichsweise kühle Gasaustritte, die überwiegend aus Kohlendioxid bestehen. Die kühle Temperatur der Mofetten kommt durch eine Abkühlung der Gase beim Ausdehnen, wenn sie aus dünnen Kanälen im Gestein treten.
Im Gegensatz zu den oft sichtbaren Dampfwolken der Fumarolen bleiben Mofetten meist unauffällig. Das austretende CO₂ ist farb- und geruchlos. Da es schwerer als Luft ist, sammelt es sich bevorzugt in Mulden und bodennahen Bereichen.
Dadurch können Mofetten in seltenen Fällen für Tiere und Menschen gefährlich werden, wenn sich hohe Konzentrationen des Gases ansammeln und den Sauerstoff verdrängen. Aus diesem Grund sollte an Austrittsstellen darauf geachtet werden, ob sie sich in einer Mulde oder windstillen Gegend befinden. Falls das der Fall ist, sollten sie mit Vorsicht betrachtet werden.
Wo findet man Fumarolen auf Ischia?
Auf Ischia sind rund 70 Fumarolen und Fumarolenfelder bekannt. Die meisten liegen entlang geologischer Störungszonen rund um den Monte Epomeo, den höchsten Berg der Insel.
Besonders bekannte Vorkommen befinden sich:
- am Marontistrand bei Sant’Angelo,
- im Gebiet Montecorvo oberhalb von Forio,
- im Krater des Rotaro bei Casamicciola,
- sowie in mehreren Gebieten am Nord- und Westhang des Monte Epomeo.
An einigen Stellen tritt der Dampf direkt aus dem Boden aus. Der Untergrund kann dort so heiß sein, dass Sand und Steine deutlich erwärmt werden. Besonders am Marontistrand lässt sich diese vulkanische Wärme eindrucksvoll erleben. Hier wird die Hitze manchmal genutzt, um Eier im Sand zu kochen oder ein wärmendes Sandbad zu nehmen (vgl.Abb.4).
Im Krater des Rotaro können auch Mofetten gefunden werden. Zudem liegen sie an einigen Stellen im Wasser rund um die Insel, zum Beispiel am Marontistrand und in der Cartaromana-Bucht.
Ein besonderes Mikroklima
Die heißen Gase beeinflussen nicht nur den Untergrund, sondern auch die Pflanzenwelt. Rund um einige Fumarolenfelder herrscht ein eigenes Mikroklima mit höheren Bodentemperaturen.
Dadurch können dort Pflanzen wachsen, die auf Ischia sonst kaum vorkommen würden. Ein Beispiel ist die tropische Pflanze Cyperus polystachius, die in einigen Fumarolenfeldern ideale Lebensbedingungen findet (Abb.3).

Die vulkanische Aktivität schafft somit kleine Lebensräume, die sich deutlich von ihrer Umgebung unterscheiden.
Fumarolen als Fenster in den Untergrund
Für Vulkanforscher sind Fumarolen von großer Bedeutung. Die austretenden Gase liefern wichtige Informationen über die Vorgänge tief unter der Erdoberfläche.
Veränderungen der Temperatur, der Gaszusammensetzung oder der Intensität der Ausgasungen können Hinweise darauf geben, dass sich im Untergrund etwas verändert. Deshalb werden mehrere Fumarolen auf Ischia regelmäßig vom italienischen Vulkanforschungsinstitut überwacht.
Allerdings bedeutet eine Veränderung der Fumarolenaktivität nicht automatisch, dass ein Vulkanausbruch bevorsteht. Erst das Zusammenspiel verschiedener Faktoren und Messdaten ermöglicht Rückschlüsse auf die vulkanische Entwicklung.
Die Nutzung vulkanischer Wärme
Die Bewohner Ischias nutzen die vulkanische Wärme seit Jahrhunderten. Bereits früh erkannte man die heilende Wirkung der warmen Quellen und Dämpfe.
Im 20. Jahrhundert wurde sogar versucht, die geothermische Energie der Insel zur Stromerzeugung zu nutzen. Zwischen 1939 und 1954 wurden zahlreiche Bohrungen durchgeführt, um die heißen Gase und Thermalwässer wirtschaftlich zu erschließen. Obwohl die Nutzung zur Stromproduktion letztlich nicht erfolgreich war, werden die geothermischen Ressourcen bis heute vielfältig genutzt.
Einige Haushalte verwenden die natürliche Wärme zum Heizen. Darüber hinaus bilden die Thermalquellen und Dampfaustritte die Grundlage vieler Kur- und Wellnesseinrichtungen.
Besonders bekannt ist die „Stufa di San Lorenzo“ in Lacco Ameno. Dort werden warme vulkanische Dämpfe für therapeutische Anwendungen genutzt. Auch der berühmte Poseidon-Garten verdankt seine Entstehung den geothermischen Ressourcen der Insel.

Vulkanismus, der bis heute spürbar ist
Fumarolen und Mofetten zeigen eindrucksvoll, dass Ischia keine erloschene Vulkaninsel ist. Obwohl es seit Jahrhunderten keinen Ausbruch mehr gegeben hat, ist die vulkanische Aktivität im Untergrund weiterhin vorhanden.
Die austretenden Gase verbinden Vergangenheit und Gegenwart: Sie sind Relikte der vulkanischen Entstehungsgeschichte der Insel und gleichzeitig sichtbare Zeichen eines aktiven geologischen Systems.
Wer heute über die Insel wandert, entlang dampfender Hänge spaziert oder die Wärme des Bodens am Marontistrand spürt, erlebt einen Vulkan, der zwar ruht – aber noch lange nicht verstummt ist.
Mehr erfahren
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Quellen
- Chiodini, G. et. al. (2004): Fumarolic and diffuse soil degassing west of Mount Epomeo,Ischia, Italy; Journal of Volcanology and Geothermal Research, Vol. 133, Issues 1-4; S. 291-309
- Gasparini, P. (2016): Ischia come sorgente di energia geotermica. Ambiente Rischio Comunicazione 11, S. 30-33
- PFANZ, H. (2008): „Mofetten, Kalter Atem schlafender Vulkane“; Deutsche Vulkanologische Gesellschaft e. V., Mendig.
- SCHMINCKE, H.-U. (2013): „Vulkanismus“, 4. Auflage; Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
- INGV (2019): Bollettino di Sorveglianza Ischia, Settembre 2019
- Tedesco, D. (1996): Chemical and isotopic investigations of fumarolic gases from Ischia island (southern Italy): Evidences of magmatic and crustal contribution; Journal of Volcanology and Geothermal Research 74(3):233-242
- albergosanlorenzo.com/terme-benessere.html
- albergosanlorenzo.com/studio-della-fumarola-san-lorenzo.html
- Abb.3: https://levypreserve.org/plant-listings/cyperus-polystachyos/
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