Die vulkanische Geschichte der Insel Ischia
Die vulkanische Entstehung Ischias – 150.000 Jahre Inselgeschichte aus Feuer und Magma
Wer heute auf Ischia reist, begegnet einer abwechslungsreichen Landschaft aus grünen Berghängen, steilen Küsten, Weinbergen und Thermalquellen. Auf den ersten Blick erinnert wenig daran, dass die gesamte Insel das Ergebnis einer langen vulkanischen Geschichte ist.
Tatsächlich begann die Entstehung Ischias bereits vor mehr als 150.000 Jahren. Seitdem haben zahlreiche Vulkanausbrüche, gewaltige Explosionen, Lavaströme und Hebungsprozesse die Insel geformt. Die Spuren dieser Ereignisse sind bis heute überall sichtbar und machen Ischia zu einem der geologisch interessantesten Orte des Mittelmeers.
Warum gibt es auf Ischia überhaupt Vulkane?
Der Vulkanismus im Golf von Neapel hängt mit der Bewegung der Erdplatten zusammen. Die Afrikanische Platte schiebt sich seit Millionen Jahren langsam unter die Eurasische Platte. Durch diese Bewegung entstehen Hitze und extremer Druck, wodurch Gesteine in großer Tiefe aufgeschmolzen werden. Das so entstandene Magma steigt nach oben und sammelt sich in Magmakammern unter der Erdoberfläche.
Eine dieser Magmakammern bildete sich unter dem Gebiet des heutigen Ischia. Von dort aus gelangte das Magma immer wieder an die Oberfläche und schuf im Laufe der Zeit die Insel.
Auch wenn der letzte Ausbruch bereits mehr als 700 Jahre zurückliegt, ist der Vulkanismus bis heute nicht vollständig erloschen. Thermalquellen, Fumarolen (Abb.1) und heiße Gase zeigen, dass unter Ischia weiterhin vulkanische Prozesse stattfinden.

Vulkanische Strukturen auf Ischia
Die unterschiedlichen Ausbrüche haben auf Ischia eine Vielzahl vulkanischer Landschaftsformen geschaffen. Je nach Zusammensetzung des Magmas und Art der Eruption entstanden ganz verschiedene Vulkane und Ablagerungen.
Lavadome entstehen, wenn zähflüssige Lava langsam aus einem Vulkanschlot austritt. Da sie nur schwer fließen kann, häuft sie sich direkt über dem Ausbruchszentrum an und bildet kuppelförmige Berge. Mehrere Erhebungen auf Ischia gehen auf solche Lavadome zurück.
Schlackenkegel bilden sich durch die Ablagerung von Lavafetzen, Schlacken und vulkanischen Bomben rund um einen Schlot. Sie entstehen meist bei eher kurzen, explosiven Ausbrüchen und gehören zu den häufigsten Vulkanformen der Insel.
Tuffkegel entstehen, wenn Magma mit Wasser in Kontakt kommt und dadurch besonders explosive Eruptionen ausgelöst werden. Die ausgeworfene Asche und das feine Gesteinsmaterial lagern sich ringförmig um den Krater ab und verfestigen sich später zu Tuffgestein.
Maare sind trichterförmige Krater, die ebenfalls durch den Kontakt von Magma und Wasser entstehen. Die Explosionen sind dabei so stark, dass ein großer Krater in die Landschaft gesprengt wird. Füllt sich dieser später mit Wasser, entsteht ein Maarsee. Bleibt er trocken, spricht man von einem Trockenmaar. Beispiele auf Ischia sind das Trockenmaar von Panza und vermutlich auch der Bereich des heutigen Hafens von Ischia Porto.
Lavaströme entstehen bei ruhigerem Vulkanismus, wenn Lava aus einem Schlot austritt und hangabwärts fließt. Nach dem Abkühlen erstarrt sie zu festem Gestein und kann die Landschaft dauerhaft verändern. Das bekannteste Beispiel auf Ischia sind die Halbinsel Zaro (Abb.2) und der Arso-Lavastrom, der beim letzten Ausbruch der Insel im Jahr 1301 entstand.

Diese unterschiedlichen Vulkanformen zeigen, wie vielfältig der Vulkanismus auf Ischia in den vergangenen 150.000 Jahren war und warum die Insel heute eine so abwechslungsreiche Landschaft besitzt.
Die Geburt der Insel
Die ältesten vulkanischen Aktivitäten reichen mehr als 150.000 Jahre zurück. In dieser Zeit entstanden die ersten vulkanischen Strukturen Ischias.
Zu ihnen gehören:
- Maare,
- Lavadome,
- Schlackenkegel,
- Tuffkegel
- und erste Lavaströme.
Viele markante Landschaftspunkte wie Punta Imperatore (Abb.3), Sant’Angelo (Abb.4) oder der Monte Vezzi gehen auf diese frühe Aktivitätsphase zurück.


Bereits damals wurde sichtbar, dass der Vulkanismus Ischias äußerst vielfältig ist. Manche Ausbrüche verliefen ruhig und förderten Lava, andere waren hoch explosiv und schleuderten große Mengen Asche und Gestein in die Atmosphäre.
Die Entstehung der Caldera
Vor rund 60.000 Jahren ereignete sich die vermutlich gewaltigste Eruption der Inselgeschichte.
Dabei wurde so viel Material aus der Magmakammer ausgeworfen, dass deren Dach einstürzte. Zurück blieb ein riesiger Einsturzkrater – eine sogenannte Caldera.
Diese Caldera prägt die Form Ischias bis heute.
Im Anschluss lagerten sich gewaltige Mengen vulkanischer Asche ab. Aus diesen Ablagerungen entstand später der berühmte grüne Tuff (Abb.5) des Monte Epomeo, der heute das Wahrzeichen der Insel bildet.

Der Monte Epomeo hebt sich aus dem Meer
Nach einer ruhigeren Phase setzte die vulkanische Aktivität erneut ein.
Vor etwa 45.000 Jahren entstanden neue Tuff- und Schlackenkegel. Gleichzeitig begann sich der Bereich des heutigen Monte Epomeo (Abb.6) langsam anzuheben.
Geologische Untersuchungen zeigen, dass der höchste Berg Ischias im Laufe der Zeit um mehrere hundert Meter emporgehoben wurde. Verantwortlich dafür war vermutlich frisches Magma, das von unten in die Magmakammer eindrang, Druck ausübte und die darüberliegenden Gesteinsschichten anhob.

Diese Hebungsprozesse prägen die Insel bis heute.
Neue Ausbrüche formen die Landschaft
Von etwa 29.000 bis 10.000 Jahren vor unserer Zeit entstanden zahlreiche neue Vulkanzentren.
Im Westen der Insel bildeten explosive Eruptionen mächtige Bimssteinablagerungen. Gleichzeitig entstanden neue Schlackenkegel, Lavaströme und Tuffablagerungen.
Während dieser Zeit erhielt Ischia zunehmend das Landschaftsbild, das wir heute kennen.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Insel keinen einzelnen Zentralvulkan besitzt. Stattdessen verteilten sich die Ausbrüche auf zahlreiche unterschiedliche Zentren.
Die wichtigsten Ausbruchszentren Ischias
In den letzten 10.000 Jahren konzentrierte sich die vulkanische Aktivität auf zahlreiche kleinere Ausbruchszentren.
Zaro
Im Nordwesten der Insel entstand die Halbinsel Zaro. Mehrere Lavadome und Lavaströme schufen dort die markante Küstenlandschaft, die heute weit ins Meer hinausragt.
Montagnone und Rotaro
Im Nordosten Ischias liegen die Vulkankomplexe Montagnone (Abb.7) und Rotaro. Hier entstanden Lavadome, Schlackenkegel und mehrere Krater entlang geologischer Bruchlinien.
Die Überreste dieser Vulkane sind noch heute deutlich im Gelände erkennbar.

Vatoliere und Molara
Diese Vulkane waren besonders explosiv. Sie produzierten große Mengen an Schlacken, Lapilli und vulkanischen Bomben.
Ihre Krater gehören zu den eindrucksvollsten vulkanischen Formen im Osten der Insel.
Ischia Porto
Kaum ein Besucher ahnt, dass der heutige Hafen von Ischia (Abb.8) ursprünglich ein Vulkankrater war.
Der kreisförmige Hafen entstand durch eine phreatomagmatische Explosion, bei der aufsteigendes Magma mit Grundwasser in Kontakt kam. Später füllte sich der Krater mit Wasser und wurde schließlich zum heutigen Hafen ausgebaut.

Maare – wenn Magma auf Wasser trifft
Eine besonders spannende vulkanische Form sind die Maare.
Sie entstehen, wenn aufsteigendes Magma plötzlich auf Grundwasser trifft. Durch die schlagartige Verdampfung des Wassers kommt es zu gewaltigen Explosionen, die einen trichterförmigen Krater in die Landschaft sprengen.
Füllt sich dieser Krater später mit Wasser, entsteht ein Maarsee. Bleibt er trocken, spricht man von einem Trockenmaar.
Auf Ischia gibt es mehrere Hinweise auf solche Eruptionen.
Besonders bekannt ist das Trockenmaar von Panza im Südwesten der Insel. Heute ist der ehemalige Krater begrünt und teilweise landwirtschaftlich genutzt. Weinberge bedecken große Teile des ehemaligen Vulkantrichters.
Auch der Hafen von Ischia Porto wird von vielen Forschern als ehemaliges Maar interpretiert.
Der letzte Ausbruch der Insel
Die jüngste Eruption Ischias ereignete sich im Jahr 1301.
Aus einem Ausbruchszentrum bei Fiaiano wurden zunächst Schlacken und Aschen ausgeworfen. Anschließend ergoss sich ein Lavastrom über die Ostseite der Insel bis zum Meer.
Dieser Lavastrom wird heute als Arso-Lavastrom bezeichnet. Mit einer Länge von rund 2,7 Kilometern gehört er zu den eindrucksvollsten Zeugnissen des jüngsten Vulkanismus auf Ischia.
Noch heute lässt sich sein Verlauf in der Landschaft verfolgen.
Vulkanismus, der bis heute sichtbar ist
Obwohl seit dem Arso-Ausbruch mehr als sieben Jahrhunderte vergangen sind, ist die vulkanische Vergangenheit Ischias allgegenwärtig.
Die Thermalquellen, Fumarolen und heißen Gasaustritte erinnern daran, dass sich unter der Insel weiterhin eine aktive Magmakammer befindet. Gleichzeitig erzählen die zahlreichen Vulkankrater, Lavadome, Tuffkegel und Lavaströme von einer außergewöhnlich langen und abwechslungsreichen Entwicklung.
Wer Ischia erkundet, reist deshalb nicht nur durch eine mediterrane Urlaubslandschaft, sondern auch durch mehr als 150.000 Jahre Erdgeschichte. Jede Küste, jeder Berg und jeder Vulkankrater ist Teil einer faszinierenden geologischen Geschichte, die die Insel bis heute prägt.
Mehr erfahren:
Maare: https://eurogeopark.org/Ischia-Vulkane/Maare-auf-Ischia.html
Vulkanismus: https://eurogeopark.org/Ischia-Vulkane/Vulkanismus-auf-Ischia.html
Vulkanische Aktivität auf Ischia: https://eurogeopark.org/Ischia-Vulkane/Phasen-vulkanischer-Aktivitaet-auf-Ischia.html
Ausbruchszentren: https://eurogeopark.org/Ischia-Vulkane/Ausbruchszentren-auf-Ischia.html
Newsletter: https://eurogeopark.com/Ischia-Kontakt/Newsletter
Exkursionen: https://eurogeopark.com/Ischia-Ausfluege/Ausflugskalender
Quelle
Vezzoli L. et. Al. (2009): Modes and times of caldera resurgence: the <10 ka evolution of Ischia Caldera, Italy, from high-precision archaeomagnetic dating. Journal of Volcanology and Geothermal Research, 186: 305-319
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