Bodenvielfalt und Vegetation: Ein Blick unter die Oberfläche der Insel Ischia
Wie der Untergrund die Pflanzenwelt Ischias prägt
Auf einer Wanderung durch die einzigartige Landschaft der Insel Ischia fällt der Blick häufig unbewusst auf die Vegetation. Wälder, Sträucher, Wiesen und farbenfrohe Blühpflanzen prägen das Bild, das sich uns bietet. Sie sind ein großer Bestandteil der Welt und beeinflussen, wie wir sie wahrnehmen.
Das Leben spielt sich aber nicht nur über der Erdoberfläche ab, sondern auch darunter. Für uns ungesehen sind alle Pflanzen von ihrem Untergrund beeinflusst und geben Aufschluss über Prozesse und Verhältnisse, die unter ihnen im Boden herrschen.
Boden ist nicht gleich Boden und die Insel Ischia ist dafür ein beispielhaftes Exemplar. Bei der Entstehung einer Vulkaninsel wird immer wieder vulkanisches Material an die Erdoberfläche befördert, welches die Landschaft kontinuierlich formt. Abhängig von der Art der Eruption entstehen verschiedene Ausgangsgesteine, die die Vielfalt vulkanischer Natur widerspiegeln. Sie unterscheiden sich in ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften, was sich direkt auf die Vegetation auswirkt.
Welche Böden bilden sich auf der Insel Ischia in Abhängigkeit vom Substrat und wie beeinflussen abiotische Faktoren die Pflanzenverteilung? Durch die Identifikation typischer Zeigerpflanzen können Rückschlüsse auf die jeweiligen Standortbedingungen gezogen werden.
Mit Blick auf die Zukunft stellt sich aber auch die Frage, ob die Pflanzen der „grünen Insel“ dem Klimawandel standhalten können und wie sich die Vegetation entwickeln wird.
Die Entstehung der Insel Ischia - eine Zusammenfassung
Die Insel Ischia, gelegen im Golf von Neapel, ist eine Region intensiver vulkanischer Aktivität, die sich westlich von Neapel erstreckt. Die Ursache für den Vulkanismus liegt hier im Zusammentreffen von zwei tektonischen Platten, wobei die afrikanische Platte unter die eurasische Platte gedrückt wird. Dabei wird durch starken Druck und hohe Temperaturen Gestein aufgeschmolzen und steigt als Magma auf. So hat sich eine Magmakammer unterhalb der „heutigen“ Insel Ischia gebildet.
Die Entstehung der Insel Ischia lässt sich in mehrere Phasen einteilen. Zu Beginn vor über 150.000 Jahren kam es zu ersten Vulkanausbrüchen in dem Gebiet. Vor 55.000 Jahren ereigneten sich dann die bisher stärksten Vulkaneruptionen, die zur Bildung einer großen Caldera (einem Einsturzkrater) führten. Als erneut Magma aufstieg, wurde das zuvor abgelagerte und verfestigte vulkanische Material in Schollen gebrochen und um bis zu 1.000m angehoben. Der 789m hohe Monte Epomeo im Zentrum der Insel markiert die am höchsten gehobene Scholle (vgl. Abb. 1). Die Hebungsphase wurde begleitet von weiteren, meist leichteren Vulkanausbrüchen entlang der Schollengrenzen. Vulkane wie der Rotaro bei Casamicciola oder der Montagnone-Maschiata oberhalb von Ischia Porto sind Zeugen dieser Aktivitätsphase. Der letzte Ausbruch ereignete sich schließlich im Jahre 1302 in Fiaiano.
Neben den Vulkanen wurde das heutige Landschaftsbild durch abfließendes Regenwasser weiter verändert. Es nutzt besonders die Schollengrenzen, die im Laufe der Zeit zu Schluchten ausgewaschen wurden. So entstand das besondere Relief der Insel mit tiefen Tälern, das bis heute Wasserhaushalt, Hangstabilität und Vegetation beeinflusst.
Typische Vulkangesteine der Insel Ischia
Die Gesteine, die man heute auf Ischia findet - Tuff, Tuffit, Lava, Asche und Lapilli - spiegeln die verschiedenen Phasen und Arten der vulkanischen Aktivität wider. Lavagestein entsteht durch Magma, das and der Oberfläche ausfließt oder als Lavafontänen ausgeworfen wird. Sie zeugen von einer ruhigeren Phase einer Eruption.
Asche und Lapilli sind Bezeichnungen für vulkanische Partikelgrößen. Aschepartikel haben ein Größe von maximal 2mm und entstehen bei explosiven Vulkanausbrüchen, wenn das Magma im Untergrund stark zerkleinert und anschließend ausgeworfen wird. Fällt es zurück auf den Boden, bildet es eine lockere Schicht.
Lapilli, sind 2-64 mm große Gesteinsfragmente, die bei Vulkanausbrüchen ausgestoßen werden. Sie erstarren entweder aus den ausgeworfenen Lavafontänen oder aus dem zerfetzten und zerkleinerten Magma bei explosiven Vulkanausbrüchen. Sie können aus verschiedenen Materialien bestehen und bilden ebenfalls eher lockere Ablagerungen.
Verfestigt sich das aus dem Vulkan ausgeworfene Material - wie Asche und Lapilli - im Laufe der Zeit, entsteht Tuff. Mischt sich dagegen das vulkanische Auswurfmaterial mit nicht vulkanischen Sedimenten und verfestigen gemeinsam, entsteht die Mischform Tuffit.
Wie entstehen Böden?
Pedogenese bezeichnet die Entstehung von Böden aus festem Gestein. Grundsätzlich beginnt sie mit der physikalischen und chemischen Verwitterung des Ausgangsgesteins. Dabei wird das Gestein zerkleinert und mineralische Bestandteile werden freigesetzt. Parallel dazu setzt die Ansiedlung von Organismen ein (vgl. Abb. 2), wodurch organisches Material entsteht, das zur Humusbildung beiträgt. Die Geschwindigkeit dieser Prozesse hängt stark vom Substrat ab.
Die Bodenentwicklung auf vulkanischen Substraten wird maßgeblich durch die Eigenschaften des jeweiligen Ausgangsgesteins bestimmt. Faktoren wie Porosität, Korngröße, Stabilität und Verwitterungsrate beeinflussen, wie schnell sich Böden bilden und welche physikalischen und chemischen Eigenschaften sie aufweisen. Auf der Insel Ischia lassen sich deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Substraten erkennen.
Die Böden Ischias sind verhältnismäßig jung, weshalb die Verwitterung noch nicht fortgeschritten ist. Entsprechend sind es Rohböden, bei denen sich die Bodenentwicklung im Anfangsstadium befindet. Dabei handelt es sich überwiegend um Ausgangsgestein, dem eine sehr dünne Humusschicht aufliegt.
Vulkanische Böden werden als Andosole (vgl. Abb. 3) bezeichnet und entstehen durch die Verwitterung vulkanischer Ablagerungen. Sie zeichnen sich durch eine hohe Speicherkapazität aus, die durch die poröse Struktur entsteht. Dadurch hat das Substrat ein großes Volumen und nimmt Wasser und Nährstoffe ähnlich wie ein Schwamm auf. Chemisch wird diese Eigenschaft als Kationenaustauachkapazität bezeichnet und ist ein bedeutendes Qualitätsmerkmal von Böden. Einerseits wird dadurch die Nährstoffverfügbarkeit gewährleistet, andererseits wird der Boden vor Austrocknung und Versauerung bewahrt.
Bodenentwicklung auf vulkanischen Substraten
1. Lavagestein
Beschaffenheit
Lavagestein entsteht durch das Erstarren von an die Erdoberfläche austretendem Magma und bildet kompakte, dichte Gesteinskörper. Im Vergleich zu pyroklastischen Ablagerungen wie Tuff, Asche oder Lapilli weist Lava meist eine deutlich geringere Porosität auf.
Die massive Struktur führt dazu, dass Lavagestein nur langsam verwittert und sich auf ihrer Oberfläche zunächst kaum lockeres Bodenmaterial ansammelt. Besonders junge Lavaflächen sind häufig stark zerklüftet und besitzen nur geringe Wasserspeicherfähigkeit. Zudem erwärmen sich dunkle Lavagesteine unter Sonneneinstrahlung stark, wodurch die Verdunstung zusätzlich erhöht wird. Dadurch entstehen trockene und extreme Standortbedingungen.
Bodenentwicklung
Sanidin-Kristallen
Die Bodenbildung auf kompakten Lavaflächen verläuft vergleichsweise langsam. Aufgrund der geringen Porosität dringt Wasser nur begrenzt in das Gestein ein, wodurch sowohl chemische Verwitterungsprozesse als auch die Ansiedlung von Pflanzen erschwert werden. Zunächst entstehen nur sehr flachgründige Böden mit geringer Humusauflage und eingeschränkter Wasserspeicherfähigkeit.
Durch Temperaturschwankungen, Wurzeldruck und chemische Verwitterung wird das Gestein allmählich zerkleinert. Gleichzeitig sammeln sich organische Rückstände abgestorbener Organismen in Spalten und Vertiefungen an. Mit fortschreitender Verwitterung kann sich dadurch schrittweise ein dünner Bodenhorizont entwickeln, der weiteren Pflanzen die Ansiedlung ermöglicht.
Da dieser Prozess auf Lavaflächen nur langsam abläuft, bleiben viele Standorte über lange Zeit nährstoffarm und trocken. Die Bodenentwicklung ist dabei eng an die Geschwindigkeit der Verwitterung und die Ansammlung organischer Substanz gekoppelt.
Vegetation
Auf kompakten Lavaflächen ist die Vegetation meist nur spärlich ausgeprägt. Die geringe Wasserspeicherfähigkeit, hohe Sonneneinstrahlung und langsame Bodenbildung schaffen extreme Bedingungen, unter denen sich zunächst nur besonders angepasste Organismen ansiedeln können. Zu den ersten Besiedlern zählen häufig Flechten und Moose, die auch auf nacktem Gestein wachsen können und zur weiteren Verwitterung beitragen.
Mit zunehmender Bodenentwicklung folgen trockenheitsresistente Pionierpflanzen wie Zistrose, Ginster oder Glaskraut. Ihre Wurzelsysteme stabilisieren das lockere Material in Felsspalten und fördern die weitere Humusbildung (vgl. Abb. 5). Das Auftreten solcher Arten weist häufig auf flachgründige, trockene und nährstoffarme Standorte hin, die sich noch in einem frühen Stadium der Bodenentwicklung befinden. Die Lavaströme auf Ischia wurden teils auch mit Pinien bepflanzt, da diese gut auf kargen, nährstoffarmen und trockenen Standorten gedeihen.
Auf Ischia gibt es einige Lavaströme, zum Beispiel den Arso und die Halbinsel Zaro. Während der Arso als Parkanlage bepflanzt wurde, ist die Vegetation auf dem Zaro noch weitestgehend natürlich. Die Besiedelung des Lavastroms durch Pflanzen ist fortgeschritten. In Küstennähe finden sich salzresistente Pflanzen wie zum Beispiel der Meerfenchel. Aber auch Feigenkakteen und das Spanische Rohr haben sich hier ausgebreitet. Etwas entfernt von der Küste haben sich auch Bäume wie beispielsweise die Steineiche angesiedelt und bilden einen kleinen Wald.
2. Asche und Lapilli
Beschaffenheit
Piano Liguori
Vulkanische Asche (bis 2mm) und Lapilli (2-64mm) bilden zunächst locker geschichtete bzw. wenig verfestigte Ablagerungen. Beide Materialien zeichnen sich durch eine hohe Porosität und Durchlässigkeit aus, wobei Lapilli-Böden eine hohe Wasserspeicherfähigkeit haben. Die Bimssteinablagerungen der Insel Ischia haben häufig Lapilli-Größe und sind daher ein gutes Beispiel für diese Kategorie.
Im Gegensatz zu kompakten Lavaflächen können Wasser und Luft leicht in diese Substrate eindringen. Allerdings wird das Wasser in der feinkörnigen Asche nicht so gut gehalten wie im Tuff. Gleichzeitig besitzen sie nur eine geringe Stabilität und sind anfällig für Erosion. Bei dunkler Färbung erwärmen sich Asche- und Lapilliböden häufig sehr schnell, wodurch die Verdunstung verstärkt wird.
Bodenentwicklung
Die Bodenbildung auf Asche- und Lapilliböden beginnt häufig schneller als auf Lavaflächen, da das lockere Material leichter verwittert und von Pflanzen durchwurzelt werden kann. Gleichzeitig wird die Entwicklung stabiler Böden jedoch durch die Erosionsanfälligkeit erschwert. Vor allem Starkregenereignisse können junge Bodenhorizonte wieder abtragen und die Bodenentwicklung zurücksetzen.
Dennoch entstehen durch die gute Durchlüftung und schnelle Erwärmung günstige Bedingungen für Pionierorganismen, die erste organische Substanz anreichern und dadurch zur weiteren Bodenbildung beitragen. Mit zunehmender Vegetationsentwicklung verbessert sich die Stabilität des Bodens, da Wurzelsysteme das Material festigen und Humus aufgebaut wird.
Vegetation
Auf Asche- und Lapilliböden entwickelt sich häufig eine Vegetation aus trockenheitsresistenten und anpassungsfähigen Pionierpflanzen. Die lockeren und gut durchlüfteten Böden ermöglichen eine schnelle Erwärmung und Durchwurzelung, gleichzeitig leiden die Pflanzen jedoch unter instabilen Untergründen.
Typische Pionierpflanzen sind krautige Arten, Gräser und Sträucher mit weitreichenden oder tiefreichenden Wurzelsystemen, die den Boden stabilisieren können. Besonders Ginster (vgl. Abb. 7), Zistrose oder verschiedene Euphorbien sind an solche Bedingungen angepasst und besiedeln junge vulkanische Rohböden. Durch ihre Ansiedlung tragen sie zur Anreicherung organischer Substanz bei und fördern damit die weitere Entwicklung des Bodens.
Auf Ischia ist der Monte die Panza ein gutes Exemplar von Ascheablagerungen. Hier haben sich Ginster, Zistrose und Baumerika angesiedelt. Es sind aber auch Orchideen-Arten wie die Zungenorchidee verbreitet, was auf ein luftiges und lockeres Substrat hinweist.
3. Tuff
Beschaffenheit
Tuff entsteht durch die Ablagerung und anschließende Verfestigung vulkanischer Asche und anderer vulkanischer Materialien. Im Gegensatz zu kompakter Lava besitzt Tuff eine lockere, poröse Struktur mit hoher Wasserspeicherfähigkeit und guter Durchlüftung.
Die physikalischen Eigenschaften von Tuff begünstigen sowohl die Verwitterung als auch die Anreicherung organischer Substanz. Gleichzeitig enthält vulkanischer Tuff zahlreiche Mineralstoffe, die langfristig zur Entwicklung fruchtbarer Böden beitragen können. Auf der Insel Ischia bilden Tuffablagerungen wichtige Standorte für dichte Vegetation und landwirtschaftliche Nutzung.
Bodenentwicklung
Die Bodenbildung auf Tuff verläuft deutlich schneller als auf Lavaflächen und langsamer als auf Asche. Durch die hohe Porosität kann Wasser gespeichert und über längere Zeit im Boden gehalten werden, wodurch chemische Verwitterungsprozesse intensiviert werden. Gleichzeitig ermöglicht die lockere Struktur eine leichte Durchwurzelung des Substrats, sodass sich Pflanzen ansiedeln können.
Mit zunehmender Vegetationsentwicklung reichert sich organische Substanz im Boden an und es entstehen tiefgründigere und stabile Andosol-Bodenhorizonte. Die Kombination aus guter Wasserversorgung, Mineralstoffreichtum und Humusbildung schafft günstige Voraussetzungen für eine fortschreitende Bodenentwicklung. Dadurch entwickeln sich auf Tuff deutlich mächtigere und fruchtbarere Böden als auf Lava.
Vegetation
Auf Tuffböden entwickelt sich meist eine deutlich dichtere und artenreichere Vegetation als auf Lavaflächen. Die bessere Wasserspeicherung und die fortgeschrittene Bodenentwicklung ermöglichen das Wachstum von Sträuchern, Macchia-Vegetation und später auch größeren Gehölzen.
Typische Pflanzen sind Baumheide, Myrte (vgl. Abb. 8) oder verschiedene Hartlaubgewächse der mediterranen Macchia. Viele dieser Arten sind an sommerliche Trockenheit angepasst, profitieren jedoch gleichzeitig von der vergleichsweise guten Wasserversorgung der Tuffböden. In geschützten und feuchteren Bereichen können sich auf Tuffböden außerdem Farne, Moose und schattenliebende Pflanzen entwickeln. Insgesamt weist eine dichte Vegetation auf Tuff häufig auf tiefgründige, gut entwickelte und wasserhaltende Andosol-Böden hin.
Auf Ischia findet sich Tuff zum Beispiel am Monte Epomeo und in der Pelara-Bucht. In der Bucht haben sich trockenheitsresistente Pflanzen angesiedelt, dazu gehören Agaven und die Italienische Strohblume. Auch Zistrose und Ginster lassen sich hier finden. Der Monte Epomeo bietet ein deutlich feuchteres Klima. Hier sind auch größere Macchia-Sträucher, Wolfsmilchgewächse und Bäume wie Steineichen und Pinien verbreitet.
(Helichrysum italicum)
4. Tuffit
Beschaffenheit
Tuffit ist ein vulkanisches Mischgestein, das sowohl aus vulkanischem Material als auch aus sedimentären Bestandteilen besteht. Er entsteht, wenn vulkanische Asche, Lapilli oder andere pyroklastische Ablagerungen mit Wasser transportiert und gemeinsam mit bereits vorhandenen Sedimenten wie Sand, Ton oder organischem Material abgelagert und verfestigt werden.
Dadurch besitzt Tuffit Eigenschaften sowohl vulkanischer als auch sedimentärer Gesteine. Im Vergleich zu kompakter Lava ist Tuffit meist deutlich lockerer und poröser aufgebaut. Im Gegensatz zu Tuff ist Tuffit aber deutlich dichter und schwerer. Seine genaue Beschaffenheit hängt jedoch stark vom Verhältnis zwischen vulkanischem und sedimentärem Material ab.
Häufig weist Tuffit eine gute Wasserspeicherfähigkeit sowie eine relativ hohe Durchlässigkeit für Luft und Wasser auf. Gleichzeitig kann er durch feinere Sedimentanteile eine höhere Stabilität besitzen als reine Asche- oder Lapilliböden. Durch den Wechsel aus vulkanischen Mineralen und sedimentären Bestandteilen entstehen oft sehr heterogene Standorte mit unterschiedlichen physikalischen und chemischen Eigenschaften.
Bodenentwicklung
Die Bodenbildung auf Tuffit verläuft meist vergleichsweise günstig, da das Gestein sowohl mineralreiche vulkanische Bestandteile als auch feinkörnige Sedimente enthält. Durch die lockere Struktur kann Wasser relativ gut gespeichert werden, während gleichzeitig eine ausreichende Durchlüftung erhalten bleibt. Dies begünstigt chemische Verwitterungsprozesse sowie die frühe Ansiedlung von Pflanzen.
Im Gegensatz zu reinen Asche- oder Lapilliablagerungen sind Tuffitböden häufig stabiler und weniger erosionsanfällig. Feinere Sedimentanteile verbessern die Bindung des Materials und fördern die Entwicklung zusammenhängender Bodenhorizonte. Gleichzeitig tragen organische Bestandteile zur Humusbildung bei, wodurch sich die Bodenentwicklung zusätzlich beschleunigt.
Dadurch entstehen auf Tuffit oft mäßig tiefgründige bis tiefgründige Böden mit vergleichsweise guter Wasser- und Nährstoffversorgung. Besonders in geschützten Lagen können sich auf solchen Standorten stabile Pflanzengesellschaften entwickeln.
Vegetation
Die Vegetation auf Tuffitböden ist häufig artenreich und zeigt Merkmale sowohl trockener als auch mäßig feuchter Standorte. Aufgrund der guten Wasserspeicherung und der vergleichsweise stabilen Bodenentwicklung können sich neben Pionierpflanzen auch Sträucher und Gehölze ansiedeln.
Typisch sind mediterrane Macchia-Arten wie Erdbeerbaum, Baumheide, Mastixstrauch oder verschiedene Hartlaubgewächse. In Bereichen mit höherem Humusanteil und besserer Wasserversorgung treten auch feuchtigkeitsliebendere Arten sowie Farne (Abb. 9) und Moose auf.
Da Tuffit-Standorte häufig Übergangsbereiche zwischen lockeren Vulkanablagerungen und stärker entwickelten Böden darstellen, spiegeln ihre Pflanzengesellschaften oft unterschiedliche Sukzessionsstadien wider. Sukzession kann als die Besiedelung eines Lebensraums über eine längere Zeit beschrieben werden, wobei sich die Zusammensetzung der Arten im Laufe der Zeit verändert. Das Auftreten dichter Macchia oder humusliebender Pflanzen kann daher auf relativ stabile, mineralreiche und gut entwickelte Vulkanböden hinweisen.
Mikroklimata der Insel Ischia
Das Klima auf Ischia ist typisch mediterran - milde, feuchte Winter und heiße, trockene Sommer. Durch die tektonisch bedingte Reliefvielfalt bilden sich zahlreiche Mikroklimata: Küstenregionen profitieren von Meeresbrisen und hoher Luftfeuchtigkeit, während die höheren Lagen am Monte Epomeo kühler und regenreicher sind. Süd-und Westhänge trocknen im Sommer schnell aus, Nord-und Westhänge bleiben länger feucht. Diese klimatischen Bedingungen wirken sich direkt auf Bodenbildung und Vegetation aus.
Abiotische Standortbedingungen
Neben dem Substrat spielen für die Vegetation auch die Einflüsse der unbelebten Umwelt, also abiotische Faktoren eine wichtige Rolle. Dazu gehören Temperatur, Wasser, Nährstoffe und der PH-Wert des Bodens. Die Variation dieser Einflüsse zeigt wie vielseitig die Standortbedingungen für Pflanzen sind.
Faktor Wasserverfügbarkeit
Ein zentraler Faktor ist die Wasserverfügbarkeit, die stark von der Bodenstruktur abhängt. Poröse Substrate wie Tuff, Tuffit und Lapilli können Wasser speichern und langsam wieder abgeben, wodurch Pflanzen auch während trockener Perioden versorgt werden. Lapilli lassen sich zum Beispiel im Vatoliere-Krater finden, weshalb er für den Anbau von Wein genutzt wird. Im Gegensatz dazu führen lockere Materialien wie Asche aufgrund ihrer hohen Durchlässigkeit zu einem schnellen Versickern des Wassers, sodass Pflanzen hier häufig unter Trockenstress leiden. Auf kompakten Lavaflächen wie der Halbinsel Zaro ist die Wasserverfügbarkeit ebenfalls eingeschränkt, da Wasser kaum in tiefere Schichten eindringen kann. Somit stellt Wasser in vielen Bereichen Ischias einen limitierenden Faktor dar, der die Vegetationsdichte und Artenzusammensetzung wesentlich beeinflusst.
Faktor Nährstoffgehalt
Eng verknüpft mit der Wasserverfügbarkeit ist der Nährstoffgehalt der Böden. Vulkanische Substrate sind zwar grundsätzlich mineralreich, jedoch häufig arm an organischer Substanz und damit an pflanzenverfügbarem Stickstoff. Besonders auf jungen Böden ist die Nährstoffverfügbarkeit gering, da sich erst mit zunehmender Vegetationsentwicklung Humus anreichert. Pflanzen, die auf solchen Standorten wachsen, sind daher oft an nährstoffarme Bedingungen angepasst oder gehen Symbiosen ein, um ihre Versorgung zu sichern. Dazu gehören Thymian, Ginster, Zistrose und Wolfsmilchgewächse.
Faktor PH-Wert
Ein weiterer wichtiger Faktor ist der pH-Wert des Bodens, der die Verfügbarkeit von Nährstoffen beeinflusst. In Bereichen mit hohem Tuffanteil sind die Böden häufig leicht sauer, was Pflanzenarten begünstigt, die an solche Bedingungen angepasst sind. Dazu gehören Baumheide, Erdbeerbaum, Zistrosen und Ginster. Andere Arten hingegen sind auf neutralere Bedingungen angewiesen und kommen entsprechend seltener vor.
Faktor Temperatur
Die Exposition eines Standorts, insbesondere die Ausrichtung von Hängen, beeinflusst maßgeblich das Mikroklima. Südhänge sind stärker der Sonneneinstrahlung ausgesetzt, wodurch höhere Temperaturen und eine stärkere Verdunstung auftreten. Dies führt zu trockeneren Bedingungen, die nur von besonders angepassten Pflanzen wie Feigenkakteen oder Olivenbäumen toleriert werden können. Nordhänge hingegen sind kühler und feuchter, was das Wachstum dichterer Vegetation begünstigt.
Eine weitere Besonderheit stellen die Fumarolen auf Ischia dar. Dabei handelt es sich um Gasaustritte, aus denen durchgehend warme Gase strömen. Die Temperaturen betragen 40 bis 100 Grad und entsprechend wird die Umgebung der Fumarolen erwärmt. Deshalb haben sich in ihrem Umfeld Pflanzen angesiedelt, die an tropische Verhältnisse angepasst sind und sonst nicht auf der Insel vorkommen könnten. Das bekannteste Beispiel dafür ist das Zyperngras Cyperus Polystacchys, das unter Anderem am Monte Cito vorkommt.
Faktor Salz
In Küstenbereichen kommt zusätzlich der Einfluss von Salz hinzu. Durch Meeresgischt gelangen Salze in den Boden und auf die Pflanzenoberflächen, was für viele Arten eine physiologische Belastung darstellt. Nur spezialisierte Pflanzen können unter diesen Bedingungen bestehen, indem sie Mechanismen zur Salzspeicherung oder -ausscheidung entwickeln.
In Küstenbereichen wie zum Beispiel rund um Sant’ Angelo und in der Pelara-Bucht prägen salz- und trockenheitsresistente Pflanzen das Landschaftsbild. Arten wie der Kapernstrauch oder die Hottentottenfeige (vgl.Abb.10) sind in der Lage, hohe Salzkonzentrationen zu tolerieren und wachsen oft direkt in Felsspalten. Ihr Vorkommen weist auf stark salzbeeinflusste und extrem trockene Standorte hin.
Zeigerpflanzen auf Ischia
Die Vegetation mediterraner Vulkaninseln wie Ischia liefert wichtige Hinweise auf Klima, Bodenentwicklung, Feuchtigkeit und vulkanische Untergründe. Zeigerpflanzen lassen bestimmte Umweltbedingungen und Standorteigenschaften erkennen. Besonders auf Vulkaninseln entstehen durch Lava, Tuff, Tuffit und Vulkanasche sehr unterschiedliche Standorte, die jeweils von charakteristischen Pflanzengesellschaften besiedelt werden.
Ein großer Teil der Pflanzen auf Ischia gehört zur mediterranen Macchia. Dazu zählen beispielsweise Steineiche, Erdbeerbaum, Baumheide, Rosmarin, Thymian, Lavendel, Zistrose oder verschiedene Wolfsmilchgewächse (vgl. Abb.15).
Diese Pflanzen weisen meist auf trockene, sonnige und gut drainierte Böden hin. Häufig wachsen sie auf verwitterten Lavaflächen oder steinigen Vulkanhängen mit geringer Humusauflage. Durch ledrige Blätter, kleine Blattoberflächen oder Wasserspeicherung sind sie geschützt vor Verdunstung und sommerlicher Trockenheit. Die Myrte bevorzugt etwas tiefgründigere und frischere Standorte innerhalb der Macchie und gilt als Indikator für mäßig feuchte und nährstoffreichere Bodenverhältnisse.
Die mediterrane Macchia verteilt sich über ganz Ischia. Ihre Vertreter wachsen sowohl an Monte Rotaro und Monte Epomeo als auch am Monte di Panza.
Ein weiterer wichtiger Indikator für felsige, flachgründige Standorte und raue Windbedingungen ist der Mastixstrauch. Seine dichten, oft undurchdringlichen Gebüsche zeigen nicht nur trockene Bedingungen an, sondern weisen durch extreme Wuchsformen auch auf die Stärke und Richtung der vorherrschenden Winde hin. Wo er flach ansteigt und windabgewandt steil abfällt, lässt sich die Exposition direkt ablesen. Ähnlich anpassungsfähig und vielgestaltig zeigt sich die Steinlinde, die ebenfalls trockene Felsenheiden besiedelt und eine hohe Toleranz gegenüber kargen Bodenverhältnissen aufweist. Beide Arten fungieren somit als Zeiger für stark exponierte, felsige Habitate, die extremen Witterungseinflüssen ausgesetzt sind.
Pionierpflanzen wie Ginster, Zistrose, Feigenkaktus oder Euphorbien besiedeln oft junge Vulkanböden aus Lava, Asche oder Lapilli (vgl. Abb.). Sie können mit nährstoffarmen Rohböden umgehen und tragen zur ersten Bodenbildung bei. Besonders Ginster verbessert durch Stickstoffbindung die Bodenentwicklung und ermöglicht später anspruchsvolleren Pflanzen das Wachstum.
Diese Vegetation findet sich auf Ischia zum Beispiel am Monte Tripodi, an der Westflanke des Monte Epomeo und am Monte di Panza. Die Feigenkakteen wachsen auch häufig oberhalb von steilen Küsten, zum Beispiel zwischen St. Angelo und dem Maronti-Strand.
Schließlich bieten feuchte Schluchten und schattige Felsspalten, wie sie für die vulkanischen Gräben Ischias typisch sind, Lebensraum für Feuchtigkeitszeiger. Diese Pflanzen zeigen feuchtere und humusreichere Standorte an. Dazu gehören Farne, Aronstab und Glöckchenlauch (Abb.16). Solche Arten wachsen bevorzugt in vulkanischen Tälern, schattigen Schluchten oder auf Tuffböden mit hoher Wasserspeicherung. Tuff kann Wasser und Mineralstoffe besonders gut speichern und schafft dadurch günstige Bedingungen für üppige Vegetation.
Auch Moose, Flechten und Farne wie der Tüpfelfarn dienen als Zeiger für eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit und wirksamen Schatten. Während sie in trockenen Regionen völlig fehlen, zeigen sie in den schattigen Lagen der Insel kühle, wasserreiche Mikroklimata an.
Auf Ischia sind diese Pflanzen überwiegend in schattigen Wäldern verbreitet. Dazu zählen die Kastanienwälder an den Hängen des Monte Epomeo und die Wälder am der Ostküste rund um Piano Liguori.
Pflanzen wie Weinrebe (Abb.18), Esskastanie (Abb. 19) oder Olive profitieren von mineralreichen Vulkanböden mit guter Drainage. Besonders im Mittelmeerraum gelten Vulkanböden als sehr nährstoffreich und fruchtbar und werden seit Jahrhunderten landwirtschaftlich genutzt. Weinreben wachsen häufig auf lockeren Asche-, Tuffit- oder Tuffböden, die Wasser speichern können, ohne Staunässe zu verursachen.
Wein wird auf Ischia gerne an den steilen Hängen zum Epomeo hin angebaut. Aber auch alten in Vulkankratern findet sich durch die windgeschützte Lage ein passendes Mikroklima. Die Kastanienwälder wurden überwiegend rund um den Monte Epomeo angelegt.
Küstenpflanzen wie Meerfenchel, Strandflieder oder die Kapernpflanze zeigen dagegen salzhaltige, trockene und felsige Standorte an. Auf Vulkaninseln wachsen sie häufig an Lavaküsten oder in Felsspalten vulkanischer Gesteine.
An allen Küsten der Insel Ischia lassen sich diese Pflanzen antreffen. Schöne Exemplare finden sich am Lavastrom Zaro und im der Schlucht Pelara.
Insgesamt weisen die Pflanzen auf Ischia nicht direkt auf den vorherrschenden Vulkanismus hin, sondern auf die besonderen Eigenschaften vulkanischer Böden. Dazu gehören hoher Mineralstoffgehalt, gute Drainage, unterschiedliche Wasserspeicherung, starke Sonneneinstrahlung sowie die Entwicklung von Böden unterschiedlicher Altersstufen. Die Zusammensetzung der Vegetation ermöglicht daher Rückschlüsse auf Bodenalter, Feuchtigkeit, Nährstoffversorgung und die Entwicklung vulkanischer Landschaften.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über typische Zeigerpflanzen auf Ischia und welche Hinweise sie auf die vorherrschenden Bedingungen geben können.

Landwirtschaftliche Nutzung
Die Landwirtschaft der Insel Ischia blickt auf eine jahrhundertelange Tradition zurück. Schon die Griechen und Römer nutzten die fruchtbaren Böden, um Getreide, Oliven und Wein anzubauen. Besonders der Qualitätswein der Insel spiegelt den vulkanischen Charakter der Böden wider. Sie zeichnen sich durch eine markante Mineralität, Frische und Komplexität aus. Der hohe Mineralgehalt im Boden fördert die Entwicklung intensiver Aromen. Deshalb ist der Wein der Insel für einen besonderen mineralischen Geschmack bekannt.
Trotz der natürlichen Vorteile stehen die Landwirte auf Ischia vor Herausforderungen: Die Bewirtschaftung der steilen Hänge erfordert aufwändige Handarbeit. Deshalb wurde die Landwirtschaft als Wirtschaftssektor mittlerweile durch den Tourismus verdrängt. Und auch der Klimawandel ist durch Erwärmung deutlich spürbar.
Doch die moderne Landwirtschaft passt sich an: Durch nachhaltige Bewässerungssysteme wie die Tröpfchenbewässerung, die Wiederbelebung alter Rebsorten und den Einsatz biologischer Anbaumethoden. Um Erosion zu verhindern und die Bodenqualität langfristig zu erhalten, wird auch mit der Wiederbegrünung von Brachflächen experimentiert. Dabei werden robuste, heimische Arten wie die Steineiche angelegt, um den Boden mit ihrem Wurzelwerk zu stabilisieren.
Ausblick: Einfluss des Klimawandels auf die Vegetation Ischias
Die fortschreitende globale Erwärmung stellt die charakteristische Flora der Vulkaninsel Ischia vor tiefgreifende Herausforderungen. Ihren Ruf als „Isola Verde“ verdankt die Insel vor allem den fruchtbaren vulkanischen Böden, die in Verbindung mit dem mediterranen Klima eine üppige Vegetation ermöglichen. Vulkanische Böden besitzen zwar einen hohen Mineralgehalt und können Wasser vergleichsweise gut speichern, sind jedoch oft stark porös. Bei langanhaltender Trockenheit reicht ihre Speicherfähigkeit zunehmend nicht mehr aus. Bereits heute führen steigende Temperaturen und häufigere Dürreperioden zu verstärktem Trockenstress für die Vegetation der Insel. Dabei ist die Jahresmitteltemperatur zwischen 2010 und 2019 im Vergleich mit dem Zeitraum von1971 bis 2000 um 1 Grad Celsius gestiegen.
Besonders betroffen sind die Kastanienwälder (vgl. Abb.21), die in den höheren Lagen rund um den Monte Epomeo angelegt wurden. Die Edelkastanie bevorzugt tiefgründige und feuchte Böden und reagiert empfindlich auf anhaltende sommerliche Trockenheit. Zusätzlich erhöhen geschwächte Bäume ihre Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Langfristig könnte dies zu einem großflächigen Rückgang der Kastanienbestände führen.
Auch die angelegten Pinienwälder geraten zunehmend unter Stress. Zwar gelten mediterrane Pinienarten (Abb.22) als relativ trockenheitsresistent, doch langanhaltender Wassermangel schwächt die Bäume und erhöht die Brandgefahr. Zusätzlich sind angelegte Wälder besonders anfällig für Schädlinge.
Diese Entwicklung wird zusätzlich durch veränderte Landnutzung verstärkt. Durch den Rückgang traditioneller Landwirtschaft und die zunehmende Verbuschung sammelt sich immer mehr trockenes organisches Material an den Hängen Ischias an. Dadurch steigt die Gefahr für Waldbrände. Wiederholte Feuer verhindern häufig die Regeneration empfindlicher Laubwälder und fördern stattdessen trockenheits- und feuerresistente Vegetation wie mediterrane Macchia, Steineichen oder Erdbeerbaum.
Langfristig könnte sich die Vegetation Ischias daher von angelegten Wäldern mit Kastanien und Pinien zurück zu natürlichen immergrünen Hartlaubgesellschaften wie der Steineiche entwickeln.
Die Veränderungen der Vegetation wirken sich gleichzeitig direkt auf die Böden aus. Waldbrände zerstören organische Substanz und Humus, während Trockenheit die Bodenbildung verlangsamt. Dadurch verlieren die Böden zunehmend ihre Struktur und werden anfälliger für Erosion. Besonders an den steilen Hängen Ischias können Starkregenereignisse humusreiche Oberböden leicht abtragen.
Dies betrifft vor allem die typischen vulkanischen Andosole, die sich aus Asche, Lapilli und pyroklastischen Ablagerungen gebildet haben. Unter trockeneren Klimabedingungen könnten diese Böden langfristig ihre charakteristischen Eigenschaften verlieren und sich stärker zu trockenen, flachgründigen und erosionsgefährdeten Böden entwickeln.
Auch die Landwirtschaft der Insel wird sich an diese Veränderungen anpassen müssen. Trockenheitsresistente Kulturen wie Weinreben, Oliven oder mediterrane Kräuter besitzen aber weiterhin gute Voraussetzungen und sind bereits an warme Temperaturen angepasst. Gleichzeitig gewinnen Maßnahmen wie Terrassenerhalt, Wasserspeicherung und Erosionsschutz immer mehr an Bedeutung.
Ob Ischia auch in Zukunft die „Isola Verde“ bleiben wird, lässt sich entsprechend beantworten: Ja, sie wird grün bleiben, aber es wird ein anderes, deutlich trockeneres Grün sein. Die Kastanienwälder werden zunehmend einer dunkleren Macchia-Vegetation weichen. Ischia wird also nicht veröden oder zu einer kahlen Wüste werden, doch die ökologische Vielfalt und der Charakter ihrer einzigartigen Pflanzengemeinschaften werden sich fundamental und unumkehrbar verändern.
Zusammenfassung
Auf Ischia sind vulkanisches Ausgangsgestein, Bodenentwicklung und Vegetation stark miteinander verknüpft.
Vulkaninseln entstehen durch wiederholte Eruptionen, bei denen verschiedene vulkanische Materialien wie Lava, Tuff, Tuffit, Asche oder Lapilli abgelagert werden. Diese Ausgangsgesteine unterscheiden sich in ihren Eigenschaften und entwickeln entsprechend unterschiedliche Böden, die wiederum die Standortbedingungen für Pflanzen bestimmen.
Die vulkanischen Ausgangsgesteine unterscheiden sich insbesondere in der Porosität, was Belüftung, Wasserspeicherfähigkeit und Bewurzelung beeinflusst. Lava bildet aufgrund ihrer geringen Porosität flachgründige Böden mit spärlicher Pioniervegetation. Tuff und Tuffit fördern durch ihre poröse Struktur die Bodenbildung und damit eine dichtere Vegetation. Asche- und Lapilliböden sind lockere, erosionsanfällige Substrate, die vor allem von Pflanzen besiedelt werden, die an Nährstoffarmut angepasst sind.
Die Pflanzengesellschaften sind aber nicht nur von den Böden abhängig, sondern auch von anderen Standortfaktoren. Besonders Wasserverfügbarkeit, Nährstoffgehalt, pH-Wert, Exposition und Salzgehalt beeinflussen die Vegetation der Insel. Dabei wird deutlich, dass vulkanische Böden zwar reich an Mineralstoffen sind, jedoch häufig nur wenig organische Substanz enthalten. Die Hanglage bestimmt zusätzlich Temperatur und Mikroklima und damit die Verteilung der Vegetation.
Bestimmte Pflanzenarten ermöglichen als Zeigerpflanzen Rückschlüsse auf die jeweiligen Standortbedingungen. Mediterrane Macchia-Arten wie Steineiche, Rosmarin oder Zistrose zeigen trockene und gut drainierte Böden an. Pionierpflanzen wie Ginster oder Feigenkaktus besiedeln junge Vulkanböden, während Arten wie Aronstab oder Farne feuchte Standorte anzeigen. Küstenpflanzen wie Meerfenchel oder Kapernpflanze weisen auf salzbeeinflusste Lebensräume hin.
Die Vegetation Ischias wird sich infolge des Klimawandels zunehmend ändern. Steigende Temperaturen und eine Zunahme der Trockenheit könnten langfristig zu einem Rückgang feuchtigkeitsliebender Wälder führen, insbesondere der Kastanienbestände. Stattdessen wird eine Ausbreitung trockenheitsresistenter Macchia-Vegetation erwartet. Ischia wird zwar auch in Zukunft die Isola Verde bleiben, ihre Vegetation dürfte sich jedoch grundlegend verändern.
Zusammenfassend lassen sich folgende Zusammenhänge zwischen Substrat, Bodenentwicklung und Vegetation herstellen:
Quellen
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