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Die Geschichte in den Gesteinen der Insel Ischia

Was die Gesteine Ischias über die vulkanische Vergangenheit der Insel erzählen

Wer auf Ischia wandert, begegnet ihnen überall: in steilen Küstenklippen, an Berghängen, in Weinbergen oder verbaut in alten Häusern und Trockenmauern. Die Rede ist von den vulkanischen Gesteinen der Insel. Sie sind stille Zeugen einer bewegten Vergangenheit, die von gewaltigen Vulkanausbrüchen und glühenden Aschewolken geprägt wurde.

Die heutige Landschaft Ischias entstand durch zahlreiche Eruptionen, die über Hunderttausende von Jahren immer neue Gesteinsschichten hinterließen. Besonders häufig trifft man auf Tuff, Bimsstein und Obsidian. Jedes dieser Gesteine erzählt seine eigene Geschichte und gibt Einblicke in die Entstehung der Vulkaninsel.

Ischia – eine Insel aus Feuer

Der Entstehung der Insel Ischia liegt der Vulkanismus zugrunde. Über lange Zeiträume stiegen immer wieder Magmen aus dem Erdinneren auf. Sie wurden bei explosiven Ausbrüchen ausgeworfen oder flossen als Lava über die Oberfläche.

Dabei entstanden unterschiedliche vulkanische Gesteine, deren Eigenschaften stark von den Bedingungen ihrer Entstehung abhängen. Die Geschwindigkeit der Abkühlung, der Gasgehalt und die Zusammensetzung des Magmas und die Art der Eruption bestimmen, ob aus einer Schmelze glasiger Obsidian, leichter Bimsstein oder mächtige Tuffablagerungen (Abb.1) entstehen.

Noch heute prägen diese Gesteine das Landschaftsbild der Insel und erlauben einen Blick in ihre vulkanische Vergangenheit.

Tuff – das typische Gestein Ischias

Das wohl bekannteste Gestein der Insel ist der Tuff. Er entsteht aus vulkanischer Asche, Lapilli und anderen Auswurfmaterialien, die nach einer Eruption am Boden abgelagert und im Laufe der Zeit verfestigt werden.

Die Besonderheit auf Ischia ist die grüne Farbe des Epomeo-Tuff (Abb.2). Er entstand vor rund 55.000 Jahren während der bislang größten bekannten Eruption Ischias. Damals wurden gewaltige Mengen vulkanischen Materials ausgeworfen, die zu dieser Zeit allerdings unter dem Meeresspiegel lagen. Die charakteristische grüne Farbe entstand durch eisenhaltige Mineralen, die sich in Kontakt mit dem Meerwasser chemisch umgewandelt haben. Später hat sich die Magmakammer weiter gefüllt, wodurch die Insel nach oben gehoben wurde. 

Heute bildet dieser Tuff große Teile des Monte Epomeo, des höchsten Berges der Insel. Doch Tuff prägt nicht nur die Natur. Seit Jahrhunderten wird das vergleichsweise weiche Gestein als Baumaterial genutzt. Viele traditionelle Häuser, Kirchen und Trockensteinmauern Ischias bestehen aus dem grünen Tuffstein und verleihen der Insel ein Erscheinungsbild, das weiter vom Vulkanismus geprägt wird.

Akkretionäre Lapilli – vulkanische Hagelkörner

Zwischen den Tuffschichten finden sich auf Ischia häufig sogenannte akkretionäre Lapilli. Dabei handelt es sich um kleine kugelförmige Gebilde, die auf den ersten Blick an Hagelkörner erinnern. Ihre Größe reicht von 2 bis 64 mm.

Sie entstehen bei besonders explosiven Ausbrüchen, wenn Magma mit Wasser in Kontakt kommt. In den feuchten Aschewolken der Eruption verklumpen feine Aschepartikel und bilden kleine Kugeln mit mehreren Schalen.

Solche Ablagerungen sind wichtige Hinweise auf phreatomagmatische Eruptionen – also Ausbrüche, bei denen der Kontakt von Wasser und Magma eine entscheidende Rolle spielte. Auf Ischia lassen sich diese besonderen Ablagerungen beispielsweise bei Piano Liguori oder in den Ascheschichten oberhalb der Citara-Bucht finden.

Bimsstein – der schwimmende Vulkanstein

Ein besonders faszinierendes Gestein der Insel ist der Bimsstein. Sein Name stammt vom lateinischen Wort „pumex“, was so viel wie Schaum bedeutet.

Und tatsächlich erinnert Bimsstein an gefrorenen Schaum. Das Gestein ist voller kleiner Hohlräume und dadurch außergewöhnlich leicht. Häufig treiben Bimssteine wegen ihrer einzigartigen Beschaffenheit auf Wasser. Das liegt an der geringen Dichte, die sie leichter als Wasser macht.

Seine Entstehung beginnt tief im Erdinneren. Gasreiches Magma steigt zur Oberfläche auf. Durch den sinkenden Druck bilden sich immer mehr Gasblasen – ähnlich wie beim Öffnen einer Sprudelflasche. Kurz vor dem Ausbruch nimmt die Zahl der Blasen so stark zu, dass das Magma explosionsartig zerreißt. Durch die schnelle Abkühlung bleiben die Hohlräume der Gasblasen erhalten. So entsteht ein extrem poröses und leichtes Gestein (Abb.3).

Auf Ischia ist Bimsstein nahezu überall zu finden. Die hellen, oft weißen oder gelblichen Gesteinsstücke sind typische Produkte der explosiven Ausbrüche, die die Insel geformt haben.

Obsidian – schwarzes vulkanisches Glas

Während Bimsstein voller Hohlräume ist, zeigt Obsidian das genaue Gegenteil. Dieses tiefschwarze vulkanische Glas besitzt kaum Poren und eine glatte, glänzende Oberfläche.

Obsidian entsteht, wenn silikatreiche Magma nach einem Ausbruch extrem schnell abkühlt. Die Schmelze erstarrt so rasch, dass keine Kristalle wachsen können. Stattdessen entsteht ein natürliches Glas, das keine klare Struktur besitzt.

Charakteristisch ist der sogenannte muschelige Bruch (Abb.4). Wird Obsidian zerschlagen, entstehen scharfe und gebogene Bruchflächen. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde das Gestein bereits in der Steinzeit für Werkzeuge und Waffen verwendet. Heutzutage wird es auch gerne zur Anfertigung von Schmuckstücken verwendet.

Auf Ischia kommt Obsidian meist nur in kleineren Fragmenten vor. Dennoch findet man ihn an vielen Stellen der Insel. Besonders bekannte Fundorte sind die Pelara-Bucht, der Monte di Panza, die Scarrupata di Barano oder der Campotese-Krater.

Frische Obsidiane zeigen einen intensiven Glasglanz. Durch Verwitterung wird die Oberfläche jedoch mit der Zeit matt und spröde.

Gesteine als Schlüssel zur Vergangenheit

Jedes vulkanische Gestein dokumentiert einen bestimmten Abschnitt der Inselgeschichte. Tuffe erzählen von mächtigen Aschewolken und Glutlawinen. Bimssteine zeugen von gasreichen explosiven Eruptionen und Obsidiane dokumentieren das schlagartige Erstarren heißer Magma.

Gemeinsam ermöglichen sie es Geologen, die Entwicklung Ischias über Hunderttausende von Jahren nachzuvollziehen. Sie zeigen, wann explosive Ausbrüche stattfanden, wie sich Magmakammern entwickelten und welche Prozesse die heutige Landschaft formten.

Eine Insel, die ihre Geschichte in Stein geschrieben hat

Wer heute über Ischia wandert, begegnet überall den Spuren des Vulkanismus. Die grünen Tuffwände des Monte Epomeo, die hellen Bimssteinschichten an den Küsten oder die schwarzen Obsidiansplitter in den Vulkanablagerungen erzählen von einer Zeit, in der gewaltige Naturkräfte die Insel formten.

Die Gesteine Ischias sind deshalb weit mehr als nur Bestandteile der Landschaft. Sie sind ein geologisches Archiv, das bis heute von den vulkanischen Prozessen berichtet, die aus dem Meeresboden eine der faszinierendsten Inseln des Mittelmeers entstehen ließen.

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Quellen

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