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Wie Verwitterung und Bodenbildung die Landschaft auf Ischia formen

Wie Vulkanismus, Verwitterung und Bodenbildung die Landschaft Ischias formen

Die Vulkaninsel Ischia ist bekannt für ihre Thermalquellen, steilen Küsten und die üppige mediterrane Vegetation. Doch hinter dieser grünen Landschaft steckt ein langsamer geologischer Prozess, der die Insel langfristig prägt: die Verwitterung und Bodenbildung vulkanischer Gesteine.

Diese Prozesse formen charakteristische Felsformationen und das einzigartige Relief auf Ischia. Die Böden stehen in direkter Verbindung mit Vegetation und traditioneller Landwirtschaft. Vulkanismus, Klima, Wasser, Wind und biologische Aktivität arbeiten hier seit Jahrtausenden zusammen und formen kontinuierlich das Erscheinungsbild der Insel.

Verwitterung – der Beginn jeder Bodenbildung

Unter Verwitterung versteht man die Veränderung und Zersetzung von Gesteinen an oder nahe der Erdoberfläche. Dabei zerfällt festes Gestein langsam in kleinere Bestandteile, aus denen später Böden entstehen können.

Auf Ischia spielen dabei vor allem drei Arten der Verwitterung eine wichtige Rolle:

Physikalische Verwitterung

Bei der physikalischen Verwitterung wird das Gestein mechanisch zerkleinert — beispielsweise durch Temperaturwechsel, Salzsprengung oder Wasser. Gerade an den Küsten Ischias wirkt salzhaltige Meeresluft intensiv auf die vulkanischen Gesteine ein.

Chemische Verwitterung

Die chemische Verwitterung verändert die Minerale des Gesteins durch Reaktionen mit Wasser oder darin gelösten Stoffen. Dabei werden Mineralien aufgelöst und neue Stoffe gebildet.

Dieser Prozess ist besonders wichtig, weil dadurch Nährstoffe freigesetzt werden, die später Pflanzen zur Verfügung stehen.

Biogene Verwitterung

Auch Pflanzen und Mikroorganismen tragen zur Verwitterung bei. Wurzeln dringen in feine Gesteinsrisse ein und sprengen das Gestein langsam auseinander. Zusätzlich entstehen durch biologische Prozesse organische Säuren, die Minerale chemisch angreifen.

Spektakuläre Verwitterungsformen auf Ischia

Aus unterschiedlichen Verwitterungsprozesse sind auf Ischia eindrucksvolle Landschaftsformen entstanden.

Erdpyramiden aus vulkanischem Tuff

Eine besonders auffällige Form ist die sogenannte Pyramidenverwitterung. Dabei wird lockeres vulkanisches Material durch Regen und Erosion langsam abgetragen. Härtere Gesteinsblöcke schützen jedoch kleine Bereiche darunter vor weiterer Abtragung.

So entstehen im Laufe der Zeit säulenartige Erdpyramiden mit schützenden Decksteinen. Solche Formationen finden sich unter anderem oberhalb des Marontistrandes bei Sant'Angelo sowie bei den Pizzi Bianchi (Abb.2).

Tafoni – die Wabenverwitterung

Ebenso charakteristisch für Ischia ist die Tafoni- oder Wabenverwitterung. Dabei wird der Fels von unten ausgehöhlt und es entstehen offene, wabenartige Hohlräume im Gestein.

Verursacht wird dieser Prozess vor allem durch das Zusammenspiel von Meerwasser, Salz, Sonne und Wind. Salzhaltige Feuchtigkeit dringt in die Poren des Gesteins ein. Verdunstet das Wasser, kristallisiert das Salz und sprengt kleine Partikel aus dem Fels heraus.

Durch die ständige Wiederholung entstehen die typischen löchrigen Strukturen, die an Bienenwaben erinnern.

Ein bekanntes Beispiel dafür ist der berühmte Pilzfelsen „Fungo“ in Lacco Ameno (Abb.3). Weitere Tafoni-Formationen befinden sich am Monte Epomeo (Abb.1), im Kastanienwald von Falanga und entlang der Küstenbereiche bei Forio.

Wie aus Gestein fruchtbarer Boden entsteht

Die Verwitterung liefert das Ausgangsmaterial für die Bodenbildung. Vulkanisches Gestein wird dabei nach und nach in kleinere mineralische Bestandteile zerlegt und mit organischen Stoffen vermischt.

Über lange Zeiträume entsteht so ein fruchtbarer Oberboden.

Die Böden Ischias profitieren besonders von ihrem vulkanischen Ursprung. Lava, Tuff und vulkanische Aschen enthalten zahlreiche Mineralstoffe wie:

  • Kalium,

  • Magnesium,

  • Eisen,

  • Calcium

  • und wichtige Spurenelemente.

Durch die Verwitterung werden diese Stoffe langsam freigesetzt und für Pflanzen verfügbar gemacht.

Zusätzlich besitzen viele vulkanische Böden eine lockere Struktur, die Wasser gut speichern kann und gleichzeitig ausreichend Luft an die Pflanzenwurzeln lässt. Diese Eigenschaften schaffen ideale Bedingungen für die Vegetation der Insel.

Die Rolle von Mikroorganismen und Humus

Nicht nur Gestein und Klima beeinflussen die Bodenbildung. Auch Bodenlebewesen spielen eine entscheidende Rolle.

Mikroorganismen, Pilze und kleine Bodentiere zersetzen abgestorbene Pflanzenreste und wandeln sie in Nährstoffe um (Abb.4). Dabei entsteht Humus, der Wasser speichert und den Boden zusätzlich fruchtbar macht.

Dieser Kreislauf aus Verwitterung, biologischer Aktivität und Nährstoffanreicherung sorgt dafür, dass auf Ischia trotz der felsigen Landschaft vielerorts eine üppige Vegetation gedeihen kann.

Die „grüne Insel“ als Ergebnis geologischer Prozesse

Die heutige Landschaft Ischias ist das Ergebnis eines jahrtausendelangen Zusammenspiels natürlicher Prozesse. Vulkanismus lieferte das Ausgangsmaterial, Verwitterung formte die Gesteine und die Bodenbildung schuf die Grundlage für Wälder, Weinberge und mediterrane Pflanzenwelt.

Die charakteristischen Felsformationen und fruchtbaren Böden zeigen eindrucksvoll, wie eng Geologie und Leben miteinander verbunden sind.

Wer heute über die Insel wandert, bewegt sich durch eine Landschaft, die bis heute aktiv von Feuer, Wasser, Wind und Zeit gestaltet wird.

 

Mehr erfahren:

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Exkursionen: https://eurogeopark.com/Ischia-Ausfluege/Ausflugskalender

 

Quellen

  • BÖGL H. (1986): Geologie in Stichworten. – Wien. (= Hirts Stichwortbücher).
  • Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2008): World Reference Base for Soil Resource – Ein Rahmen für internationale Klassifikation, Korrelation und Kommunikation. Deutsche Ausgabe. Hannover.
  • Molitor, H.-D. ( 2016): Hydrokultur Basiswissen. www.dghk.net/index.php?artikel=1787, 2017-07-11.

Verwitterung, Geologie, Vulkanismus, Bodenbildung

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