Thermalwasser auf Ischia - ein Ausdruck vulkanischer Aktivität
Wie der Vulkanismus Ischia durch Thermalwasser lebendig hält
Wer an Ischia denkt, hat oft Bilder von warmen Thermalbecken, üppigen Gartenanlagen und entspannenden Wellnessangeboten vor Augen (Abb.1). Tatsächlich verdankt die Insel ihren internationalen Ruf vor allem einem außergewöhnlichen Naturschatz: dem Thermalwasser.

Seit der Antike nutzen Menschen die warmen Quellen Ischias zur Entspannung und zur Behandlung verschiedenster Beschwerden. Schon die Griechen und Römer schätzten die heilende Wirkung des Wassers und machten die Insel zu einem bedeutenden Kurort. Doch woher stammt das Thermalwasser eigentlich und warum besitzt es so besondere Eigenschaften?
Die Antwort liegt tief unter der Erde – im vulkanischen Ursprung Ischias.
Wie entsteht das Thermalwasser?
Die zahlreichen Thermalquellen der Insel sind ein direktes Ergebnis der vulkanischen Aktivität, die Ischia über Hunderttausende von Jahren geprägt hat.
Regenwasser versickert durch Risse und Spalten im vulkanischen Gestein und gelangt tief in den Untergrund. Dort wird es durch die Wärme eines noch immer aktiven magmatischen Systems erhitzt. Anschließend steigt das Wasser wieder auf und tritt an verschiedenen Stellen der Insel als Thermalquelle an die Oberfläche.
Während seines Weges durch die Gesteinsschichten löst das Wasser zahlreiche Mineralstoffe und Spurenelemente heraus. Dadurch besitzt jede Quelle ihre eigene chemische Zusammensetzung und ihre ganz besonderen Eigenschaften.
Die Temperaturen der Quellen reichen von angenehm lauwarm bis nahezu kochend heiß. Einige Thermalwässer erreichen Temperaturen von über 90 °C, bevor sie für die Nutzung abgekühlt werden.
Einzigartige Vielfalt an Thermalquellen
Ischia verfügt über mehr als hundert Thermalquellen und zählt damit zu den bedeutendsten Thermalregionen Europas.
Die verschiedenen Wässer unterscheiden sich nicht nur in ihrer Temperatur, sondern auch in ihrer Zusammensetzung. Besonders häufig sind sogenannte Natrium-Chlorid-Wässer, die durch ihren hohen Salzgehalt gekennzeichnet sind. Daneben kommen Wässer mit erhöhten Anteilen von Sulfat, Hydrogenkarbonat, Kalzium oder Magnesium vor.
Diese Vielfalt macht Ischia zu einem einzigartigen natürlichen Heilbad, dessen Quellen für unterschiedliche Anwendungen genutzt werden können.

Die bekanntesten Thermalquellen der Insel
Über die gesamte Insel verteilt finden sich Thermalquellen unterschiedlichster Art.
Besonders bekannt ist die Nitrodi-Quelle bei Barano. Ihr Wasser wird seit Jahrhunderten vor allem zur Pflege und Behandlung von Hautproblemen genutzt. Anders als in vielen Thermalparks badet man dort nicht in Becken, sondern nutzt spezielle Thermalwasserduschen.
Eine weitere Besonderheit ist die Sorgeto-Bucht im Süden der Insel. Hier tritt Thermalwasser direkt am Meeresboden aus und erwärmt das Meerwasser. Besucher können das ganze Jahr über in natürlich temperierten Meerwasserbecken baden.

Auch die Cartaromana-Bucht ist für ihre warmen Quellen bekannt, die direkt in Küstennähe austreten und das Badeerlebnis mit einem spektakulären Blick auf das Castello Aragonese verbinden.
Thermalparks – Wellness inmitten vulkanischer Natur
Die wohl bekannteste Form der Thermalnutzung auf Ischia sind die Thermalparks.
Insgesamt gibt es auf der Insel zehn größere Thermalparks. Dabei handelt es sich um großzügige Gartenanlagen mit mehreren Thermalbecken unterschiedlicher Temperatur. Viele Anlagen liegen direkt an der Küste und verbinden Thermalbaden mit einem Blick auf das Mittelmeer.

Zu den bekanntesten Thermalparks gehören:
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Poseidon in Forio,
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Aphrodite-Apollon bei Sant’Angelo,
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Eden in Ischia Ponte,
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sowie Olympus am Maronti-Strand.
Neben Thermalbecken bieten die Anlagen meist zahlreiche weitere Anwendungen wie Massagen, Dampfgrotten, Saunen, Fango-Behandlungen oder medizinische Rehabilitationsprogramme an.
Dadurch sind die Thermalparks nicht nur touristische Attraktionen, sondern auch wichtige Einrichtungen für Gesundheits- und Kuraufenthalte.
Warum wirkt Thermalwasser?
Die Wirkung des Thermalwassers beruht nicht auf einem einzelnen Inhaltsstoff, sondern auf dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Eine wichtige Rolle spielt zunächst die Wärme. Sie erweitert die Blutgefäße, fördert die Durchblutung und entspannt Muskulatur sowie Bindegewebe. Viele Menschen empfinden dadurch eine deutliche Linderung von Verspannungen oder Gelenkbeschwerden.
Hinzu kommen die im Wasser gelösten Mineralstoffe. Natrium, Kalium, Magnesium, Chlorid, Sulfat und Hydrogenkarbonat gehören gleichzeitig zu den wichtigsten Bestandteilen des menschlichen Organismus. Über die Haut können sie ihre Wirkung auf verschiedene Körperfunktionen entfalten.
Auch der Auftrieb des Wassers trägt zur positiven Wirkung bei. Besonders salzhaltige Thermalwässer erleichtern Bewegungen und werden deshalb häufig zur Rehabilitation nach Verletzungen oder bei Gelenkerkrankungen eingesetzt.
Fango – Heilschlamm aus Vulkanerde
Eine der bekanntesten Anwendungen auf Ischia ist der Fango.
Für seine Herstellung werden Ton oder vulkanische Gesteine wie Tuffit mehrere Monate lang in Thermalwasser gelagert. Während dieser Zeit reichern sich Mineralstoffe, Gase und Mikroorganismen im Material an.
Der entstandene Heilschlamm wird anschließend auf Temperaturen von etwa 40 bis 45 °C erwärmt und auf die Haut aufgetragen.
Fangoanwendungen werden besonders bei chronischen Gelenk- und Wirbelsäulenbeschwerden eingesetzt. Gleichzeitig fördern sie die Durchblutung und sorgen für eine intensive Entspannung der Muskulatur.
Da jede Quelle eine andere Zusammensetzung besitzt, unterscheidet sich auch der Fango von Thermalpark zu Thermalpark.
Inhalationen und Aerosoltherapien
Thermalwasser wird auf Ischia nicht nur zum Baden genutzt.
Eine weitere wichtige Anwendung ist die Inhalationstherapie. Dabei wird das Thermalwasser entweder als warmer Dampf eingeatmet oder fein zerstäubt über die Atemwege aufgenommen.
Die enthaltenen Mineralstoffe können die Schleimhäute der oberen und unteren Atemwege unterstützen und das lokale Immunsystem stärken. Deshalb werden solche Anwendungen häufig bei chronischen Atemwegserkrankungen oder zur Vorbeugung von Erkältungen genutzt.
Wenn nicht nur Wasser heilt
Nicht nur das Thermalwasser selbst findet auf Ischia Anwendung. Auch die aus dem Untergrund aufsteigenden heißen Gase werden therapeutisch genutzt.
Ein bekanntes Beispiel ist die „Stufe von San Lorenzo“ in Lacco Ameno. Dort werden warme vulkanische Gase gezielt für Anwendungen genutzt.
Am Maronti-Strand wiederum sorgt die vulkanische Wärme des Untergrunds für natürliche Sandbäder. Der Sand wird durch aufsteigende heiße Gase erwärmt und kann für therapeutische Anwendungen genutzt werden.
Diese besonderen Nutzungsformen zeigen eindrucksvoll, wie eng die Heiltradition Ischias mit ihrer vulkanischen Aktivität verbunden ist.
Ein Geschenk des Vulkanismus
Die Thermalquellen Ischias sind weit mehr als eine touristische Attraktion. Sie sind sichtbare Zeichen eines noch immer aktiven geologischen Systems und gleichzeitig ein bedeutender Bestandteil der Kultur und Geschichte der Insel.
Ohne den Vulkanismus gäbe es weder die berühmten Thermalparks noch die warmen Quellen, die Ischia seit Jahrhunderten zu einem der bekanntesten Kurorte Europas machen. Die Wärme aus dem Erdinneren schenkt der Insel bis heute einen außergewöhnlichen natürlichen Reichtum – und macht deutlich, dass die Kräfte, die Ischia einst erschufen, noch immer unter ihren Füßen wirken.
Mehr erfahren
Klassifikation Thermalwässer: https://eurogeopark.org/Ischia-Thermalwasser/Klassifikation-der-Thermal-Heilwaesser-auf-Ischia.html
Zusammensetzung Thermalwässer: https://eurogeopark.org/Ischia-Thermalwasser/Zusammensetzung-der-Thermalwaesser-auf-Ischia.html
Badebetriebe auf Ischia: https://eurogeopark.org/Ischia-Thermalwasser/Thermalparks-und-andere-Badebetriebe-auf-Ischia.html
Anwendungsformen: https://eurogeopark.org/Ischia-Thermalwasser/Anwendungsformen-und-Wirkungsweise-von-Thermalwasser-und-Gasen.html
Newsletter: https://eurogeopark.com/Ischia-Kontakt/Newsletter
Exkursionen: https://eurogeopark.com/Ischia-Ausfluege/Ausflugskalender
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