Verwitterung auf der Insel Ischia
Verwitterung auf Ischia
Auf der Insel Ischia prägen vulkanische Gesteine, Klima, Relief und menschliche Nutzung bis heute das Landschaftsbild. Verwitterung bildet dabei die Voraussetzung für Bodenbildung und prägt zugleich das Erscheinungsbild der Insel. Sie ist ein bedeutender Faktor für die Entstehung charakteristischer Gesteinsformen und Böden.
Unter Verwitterung versteht man die Summe von Prozessen an der Erdoberfläche, die zur Veränderung der Gesteine und Minerale führt. Diese Prozesse unterliegen dem Einflussbereich von Atmosphäre, Hydrosphäre und Biosphäre. Dabei zerfällt der feste Gesteinsverband, wobei es zur Auslösung, Neubildung oder Anpassungsreaktion von Mineralien kommt. Auf diese Weise entsteht das Ausgangsmaterial für die Bodenbildung.
Arten der Verwitterung
Tektonische Prozesse wie Riss- und Kluftbildungen lockern das Gestein und schaffen damit die Voraussetzung für Verwitterung. Dabei werden drei Formen unterschieden. Bei der mechanischen Verwitterung wird Gestein durch physikalische Einflüsse wie Temperaturwechsel, Frost-oder Salzsprengung schrittweise zerkleinert. Die chemische Verwitterung verändert oder löst Minerale im Gestein auf, wobei Wasser meist der wichtigste Faktor ist, häufig verstärkt durch organische Säuren. Wichtige Prozesse der chemischen Verwitterung sind Oxidation, Hydratation und Hydrolyse.
Daneben gibt es die organische Verwitterung, bei der Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen das Gestein sowohl mechanisch als auch chemisch verändern. Bodenbewohnende Tiere lockern und durchmischen das Material, während organische Abbauprodukte Säuren bilden, die zur Zersetzung der Minerale beitragen.
Verwitterungsformen auf der Insel Ischia
Auf der Insel Ischia kommen alle drei oben genannten Verwitterungsformen vor. Besonders eindrucksvoll sind dabei die Gesteinsformationen, die durch die pyramidenförmige Verwitterung und die Tafoniverwitterung entstanden sind.
Die Pyramidenverwitterung ist ein mechanischer Verwitterungsprozess, bei dem die Verwitterung von oben erfolgt. Sie tritt vor allem in leicht erodierbaren, feinkörnigen Gesteinen wie Sandstein oder vulkanischem Tuff auf, die zugleich größere, verwitterungsresistente Gesteinsblöcke enthalten. Außerdem spielen Klima und eine windgeschützte Position in steiler Hanglage eine wichtige Rolle. Niederschläge tragen das lockere Material an der Oberfläche ab und formen tiefe Furchen in den Hang. Die widerstandsfähigeren Gesteinsblöcke bleiben von der Erosion verschont und schützen die darunterliegenden Gesteinsschichten vor weiterer Abtragung. Unter windgeschützten Bedingungen in steiler Hanglage entstehen dadurch im Laufe der Zeit pyramidenförmige Säulen mit einem schützenden Deckstein. Fehlt dieser, wird die Säule rasch weiter erodiert und verschwindet schließlich.
Auf Ischia sind solche Erdpyramiden unter anderem bei Sant'Angelo oberhalb des Marontistrandes sowie bei den Pizzi Bianchi zu finden.
Die Tafoni- oder Wabenverwitterung ist ein chemisch-mechanischer Verwitterungsprozess, bei dem die Verwitterung im Gegensatz zur Pyramidenverwitterung von unten erfolgt. Der Begriff Tafoni stammt von dem korsischen Taffoni, was Fenster bzw. perforieren bedeutet. Charakteristisch sind nach einer Seite offene, konkave und durchlöcherte Hohlräume, die von wenigen Zentimetern bis zu mehreren Metern groß sein können. Ihre Entstehung wird durch Sonne, Wasser, Wind und Salz bestimmt. Salzhaltige Wassertröpfchen aus dem Meer werden vom Wind auf die Gesteinsoberflächen transportiert. Bei Niederschlag löst sich das Salz, dringt in die Poren des Gesteins ein und steigt kapillar auf. Verdunstet das Wasser durch Sonneneinstrahlung, kristallisiert das Salz im Gestein. Dadurch werden kleine Felsschuppen abgesprengt und vom Wind abgetragen. Durch die ständige Wiederholung dieses Vorgangs entstehendie typischen wabenartigen Hohlräume, weshalb der Prozess auch als Wabenverwitterung bezeichnet wird.
Ein bekanntes Beispiel auf der Insel Ischia ist der Pilzfelsen von Lacco Ameno. Weitere Vorkommen befinden sich entlang der Küstenstraße bei Forio, im Kastanienwald von Falanga und auf dem Gipfel des Monte Epomeo.
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